
Wissenschaftsfreiheit
Vom 27. bis 29. November 2025 tagte die Plenarversammlung des Fakultätentages auf Einladung der Technischen Universität Chemnitz in der sächsischen Universitätsstadt. Im Zentrum der Tagung stand das Thema Wissenschaftsfreiheit, das sowohl das Hochschulpolitische Gespräch am Eröffnungsabend als auch den gesamten Thementag prägte und zu anregenden, teils kontroversen Diskussionen führte.
Hochschulpolitisches Gespräch
Den Auftakt am Donnerstagabend bildete ein Podiumsgespräch, das die Wissenschaftsfreiheit aus ideengeschichtlicher, persönlich-erfahrungsbasierter und zivilgesellschaftlicher Perspektive beleuchtete.
Auf dem Podium saßen:
- Barbara Zehnpfennig (Universität Passau), die die philosophischen Grundlagen und historischen Voraussetzungen der Wissenschaftsfreiheit darlegte.
- Egon Flaig (Universität Rostock), der von eigenen Erfahrungen mit erzwungenen Vortragsabsagen berichtete und scharfe Kritik an als aktivistisch wahrgenommenen akademischen Disziplinen übte.
- Vladimir Shikhman (TU Chemnitz), der über sein Engagement gegen Antisemitismus in der Chemnitzer Zivilgesellschaft sowie über Mechanismen der Marginalisierung und Lagerbildung in der Mathematik berichtete.
Die unterschiedlichen Zugänge der Podiumsgäste führten zu einer lebhaften und teils kontroversen Diskussion.
Thementag
Am Freitag stand der Thementag unter dem Titel „Wissenschaftsfreiheit – Grundlagen, Gefährdungen, Erfahrungen“. Drei Vorträge näherten sich dem Thema aus juristischer, fachpolitischer und empirischer Perspektive.
Die Vortragenden waren:
- Reinhard Merkel (Universität Hamburg) referierte über die Begründung und juristische Verankerung der Wissenschaftsfreiheit im deutschen Recht und diskutierte, unter welchen Bedingungen Forschung – etwa in den Bereichen KI oder Humangenetik – eingeschränkt werden kann.
- Andrea Geier (Universität Trier) schilderte Einschränkungen der Wissenschaftsfreiheit im Bereich der Gender Studies, berichtete von eigenen parlamentarischen Anfragen der AfD und warb für wechselseitige fachliche Solidarität.
- Jannis Julien Grimm (Berlin) stellte eine Studie zu wahrgenommenen Einschränkungen der Wissenschaftsfreiheit in den Nahost-Studien vor und berichtete von Ablehnung aus unterschiedlichen Richtungen sowie von persönlichen Bedrohungen.
In der abschließenden Diskussion wurde deutlich, dass die Wahrnehmung von Einschränkungen stark von der eigenen fachlichen Position abhängt. Fakultäten und Gremien unterhalb der Leitungsebene wurden als wichtige Schutzräume hervorgehoben; der Kodex Wissenschaftsfreiheit der Universität Würzburg gilt dabei als positives Vorbild.
Wir möchten allen Gästen, Expertinnen und Experten sowie Mitwirkenden für ihre wertvollen Beiträge danken und freuen uns darauf, die gewonnenen Erkenntnisse in zukünftige Initiativen einfließen zu lassen. Die nächste Plenarversammlung findet vom 2. bis 4. Juli 2026 an der Universität Trier zum Thema „KI in der geisteswissenschaftlichen Forschung“ statt.